Buchtipp für eine Sommerlektüre

Wer noch auf der Suche nach einem schönen Roman für die großen Ferien ist, findet mit Die Vögel von Tarjei Vesaas möglicherweise den richtigen.

 
Dussel – so nennen ihn die Leute aus dem Dorf. Mattis weiß, dass er ein Problem mit dem Denken hat. Er erkennt, dass die anderen klug sind, manche sogar messerscharf klug, allen voran seine Schwester Hege, mit der er zusammenwohnt und die ihn versorgt, beide Anfang vierzig, in einem Dorf in Norwegen in den 50er Jahren. Mattis lebt umgeben von Wiesen, Wald, See in einer ihm eigenen Beziehung zur Natur, besonders zu den Vögeln. Was er erlebt und empfindet, äußerlich wie innerlich, und auch das, was er träumt, ist für ihn Wirklichkeit. Daraus versucht er auch Vorhersagen auf die Zukunft abzulesen. Eine Zukunft, die für ihn ungewiss geworden ist, seit Hege mit einem Mann zusammen ist. Mattis‘ größte Not ist nicht die Angst vor Gewitter und nicht das sich Eingestehen müssen, nicht mit den anderen mithalten zu können, nicht einmal beim Rübenhacken auf dem Feld, sondern die Angst vor dem Alleinsein und die Sehnsucht nach Beziehung – wer könnte beim Lesen nicht mit ihm mitfühlen?
Die Vögel ist ein traurig-warmherziger Roman. Die Dorfbewohner nennen Mattis zwar Dussel, begegnen ihm jedoch mit Respekt: nicht abwertend und ablehnend, aber auch nicht überfürsorglich und überbehütend. Was in seinem Innern vorgeht, in seinen Gedanken und in seinen Gefühlen, können sie allenfalls ahnen. Der Roman ist aus der Ich-Perspektive geschrieben, so haben Lesende Zugang zu Mattis reichem Innenleben.
Der norwegische Autor Tarjei Vesaas (1897–1970) schrieb das Buch 1957, geriet nach seinem Tod hierzulande in Vergessenheit und wurde vor wenigen Jahren wiederentdeckt.
Hinrich Schmidt-Henkel, Übersetzer unter anderem auch der Werke von Jon Fosse, hat wie zu vernehmen hervorragende Arbeit beim Übersetzen aus der norwegischen Sprache Nynorsk geleistet.
Das Buch kann hier erworben werden.