Radieschen von unten, von Katharina von der Gathen

Der Untertitel des Buches beschreibt eigentlich genauer, worum es in dem ansprechend von Anke Kuhl illustrierten Bilderbuch geht:
Das bunte Buch über den Tod für neugierige Kinder.
Sensibel und aufschlussreich, zum Teil humorvoll immer aber kindgemäß umreißt das Buch von Katharina von der Gathen biologische Aspekte des Sterbens in gleicher Weise wie religiöse oder spirituelle Aspekte der Trauer.

Auf vielfältige Art und Weise nähert sich das Bilderbuch dem Thema und vermittelt nicht nur Kindern grundlegendes Wissen, z.B. darüber, wie sich der Körper im Tod verändert, welche Bestattungsmöglichkeiten es gibt, oder auch wie sich Trauer und das Gefühl der Ausweglosigkeit angesichts des Verlustes eines geliebten Menschen anfühlen. Mit einer angenehmen Leichtigkeit gelingt es der Autorin ein Tabuthema sachlich ansprechend und abwechslungsreich, behutsam und gleichzeitig humorvoll darzustellen. Neben Sachtexten gibt es Interviews mit Fachleuten, wie z.B. einem Friedhofsgärtner, Bestatterinnen, einer Pfarrerin, einem Palliativmediziner und einem Krankenpfleger, die aus ihrem tagtäglichen Umgang mit Sterbenden und dem Tod berichten.
Wie mit dem Thema Tod in den verschiedenen Zeiten, Kulturen und Religionen umgegangen wird, und dass die Toten den zurückbleibenden Menschen nicht egal sind, beschreibt die Autorin ebenfalls ausführlich. Aus den verschiedenen Vorstellungen und Hoffnungen, wie es nach dem Tod weitergehen könnte, haben sich nämlich unterschiedliche Traditionen und Rituale entwickelt, die Menschen helfen, ihre Trauer zu bewältigen und mit dem Tod umzugehen.
Zwischendurch führen humorvolle Comics oder eine Seite mit Witzen dazu, dass das Thema nicht zu schwer auf Kindern lastet. Auf einmal erschließt sich einem auch der fragwürdige Titel des Buches, wenn es in einem dieser Witze heißt: „Was steht auf dem Grabstein einer Marktfrau? Sie schaut sich die Radieschen von unten an.“ Die Autorin räumt den Leser*innen ein, dass sie das Buch durchaus auch einmal weglegen können, wenn es ihnen zu viel wird, um später weiterzulesen. Auch empfiehlt sie ihnen, das Gespräch mit anderen zu suchen. Das Buch ist sicherlich ein Brückenbauer, der es neugierigen Kindern erlaubt, in der Familie oder in der Schule Erwachsene einzuladen, ihre Fragen rund um das Tabuthema Tod und Sterben ernst zu nehmen und dem Gespräch mit den Kindern nicht auszuweichen. Ein wichtiges Buch!
Für den christlichen Religionsunterricht in der Grundschule ist dieses Buch darüber hinaus ein Türöffner, um einer vereinfachten, vordergründig biologischen Auferstehungsvorstellung von Kindern zu begegnen. So kann der Raum geöffnet werden für eine christliche Hoffnungsperspektive, die auf ein erfülltes zukünftiges Leben bei Gott setzt, jenseits menschlichen Vorstellungsvermögens.
Weitere Informationen zum Buch finden Sie auf der Homepage des Verlages.