Der Gesprächskreis Juden und Christen des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und Katholikinnen hat jüngst eine Erklärung zur Darstellung des Judentums im Unterricht veröffentlicht, die über den Religionsunterricht hinaus auch für die allgemeine schulische Bildung in Deutschland von besonderer Bedeutung ist.
Antijudaismus und Antisemitismus – nur bei anderen?
Zwar räumt die Publikation ein, dass seit 1965 mit Nostra Aetate die katholische Kirche ihr Verhältnis zum Judentum auf höchster Ebene positiv verändert hat. Diese Einsicht ist aber bei weitem nicht im Bewusstsein aller Gläubigen präsent. Nach wie vor – zum Teil unbewusst – finden sich Abwertungen des Judentums im kollektiven Gedächtnis und bilden „tragischerweise einen guten Nährboden für moderne antijüdische Erzählungen“ (S. 4). Die Publikation des Gesprächskreises bietet allen Lehrkräften Hilfestellungen an, damit das Thema Judentum im Unterricht angemessen dargestellt und wahrgenommen wird und Unterrichtsmaterialien und -methoden zum Thema Judentum kritisch geprüft werden können, denn Antisemitismus und Antijudaismus findet sich leider nicht nur bei den anderen und ist oftmals nicht auf den ersten Blick zu erkennen.
Zu sechs Themenfeldern werden wichtige Erkenntnisse und Einsichten zusammengestellt, daraus jeweils Ziele und praktische Anregungen abgeleitet und schließlich Checklisten zur einfachen Handhabe aufgestellt, anhand derer die Unterrichtspraxis überprüft werden kann. Dabei geht es inhaltlich darum, wie das Verhältnis von Judentum und Christentum grundsätzlich dargestellt wird und ob das Judentum in seiner Vielfalt und nicht nur als Religion wahrgenommen wird. Nachgegangen wird auch der Frage, inwieweit das Alte Testament als grundlegendes Offenbarungsdokument des Judentums und des Christentums wertgeschätzt wird und welche Rolle der Person Jesus von Nazareth zugeschrieben wird. Schließlich verweist die Handreichung auf eine angemessene Erinnerungskultur im Hinblick auf den Nationalsozialismus und nimmt differenziert zum Nahostkonflikt Stellung. Eine übersichtliche aktuelle Literaturliste rundet die Publikation ab. Das Dokument können Sie hier herunterladen.