Der Religionsunterricht in der Grundschule
Die Deutsche Bischofskonferenz hat am 10. Februar 2023 erstmals eine Erklärung zum Religionsunterricht in der Grundschule veröffentlicht unter dem Titel „Die Perspektive des Glaubens anbieten“. Der Titel verweist einerseits auf die Verwurzelung des Religionsunterrichts in der christlich-abendländischen Glaubenstradition, er zeigt aber andererseits deutlich seine Grenzen in einem pluralistischen Kontext, wo der christliche Glaube nicht weniger, aber auch nicht mehr als ein Angebot sein kann.
Nachdem in der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz 2022 der Religionsunterricht in der Grundschule auf der Agenda stand, ist nun die offizielle Erklärung erschienen, die sich durch eine sehr klare Situationsanalyse der momentanen Situation des Religionsunterrichts in all seinen Bedingungsfeldern auszeichnet.
Die vielfältigen soziokulturellen Kontexte des Religionsunterrichts in den verschiedenen Bundesländern bzw. (Erz-)Bistümern mit den daraus sich entwickelten Organisationsstrukturen werden benannt, die Heterogenität der Schülerinnen und Schüler in ihrer Breite wahrgenommen und die Religionslehrkräfte im Spannungsfeld der eigenen persönlichen Positionierung bei selbstverständlichem pädagogischen Überwältigungsverbot beschrieben. Der Respekt vor anderen Überzeugung schließt das Vertreten einer eigenen Position nicht aus. (S.12)
Im ersten Kapitel werden die Ziele und Aufgaben des Religionsunterrichts der Grundschule beschrieben, im zweiten Kapitel die Kontexte differenziert dargestellt, im dritten Kapitel die Relevanz des Religionsunterrichts für Gesellschaft, Schülerinnen und Schüler, Eltern, Schule und Kirche hervorgehoben und anschließend die didaktisch-methodische Vorgehensweise des Faches vorgestellt. Das abschließende 5. Kapitel verweist auf sieben Leitlinien, an denen sich ein zukünftiger RU auszurichten hat:
- Konzentration: Der zukünftige RU zeichnet sich dadurch aus, dass er sich auf zentrale Inhalte des christlichen Glaubens und auf elementare Vorstellungen anderer Religionen konzentriert. Eine Reduktion der Stofffülle ist demnach vorzunehmen.
- Ethische Verantwortung: Der RU hat zu einer Entwicklung religiöser und moralischer Werte und Haltungen beizutragen und die Verantwortung gegenüber der Schöpfung, die Sensibilität für den anderen und für Gerechtigkeit und Solidarität zu thematisieren.
- Kompetenzorientierung: Die Eigenaktivität der Kinder hat ihren festen Platz.
- Theologisieren mit Kindern: Die Reflektion und Diskussion der großen Fragen ist zentraler Bestandteil des RU.
- Sprachliche Sensibilisierung: Kinder religiös sprach- und kommunikationsfähig zu schulen ist vor dem Hintergrund der Säkularisierung eine wichtige Aufgabe des RU.
- Inklusion und Digitalität: Die Heterogenität der Schülerinnen und Schüler verpflichtet zu einer starken Individualisierung des RU und zu einer Differenzierung der Lernwege.
- Schulkultur: Der RU ist Teil der Schule und hat sich stärker in der Schulkultur zu verankern.
Das Schreiben der Bischöfe schließt ab mit einem ausdrücklichen wertschätzenden Dank an alle Religionslehrerinnen und Religionslehrer an Grundschulen. Die letzten Sätze räumen ehrlicherweise ein, dass diese Aufgabe in der gegenwärtigen Situation der Kirche eine nicht immer leichte Aufgabe ist.
Die Erklärung der Deutschen Bischöfe gibt es als Download hier.