Bilderbuchtipp zum Philosophieren und Theologisieren mit Kindern: In meiner Welt

Bilderbuchtipp „In meiner Welt“ (2025) von Sabine Bohlmann und Simona Ceccarelli – Impulse für das Philosophieren und Theologisieren in der frühkindlichen Bildung.

 

Quelle: Verlag Thienemann-Esslinger

Das Bilderbuch „In meiner Welt“ von Sabine Bohlmann mit den einfühlsamen Bildern von Simona Ceccarelli bietet pädagogischen Fachkräften in Kitas eine gute Möglichkeit, mit Kindern über Fragen nach dem Sinn des Todes in unserer Welt ins Gespräch zu kommen. Das Buch zeigt die Welt aus der Sicht eines Kindes und nimmt dessen Gedanken, Gefühle und Erfahrungen ernst.
Ein kleiner Junge ist mit seinem Großvater unterwegs. Das Kind erzählt seinem Großvater, wie er sich die Welt vorstellen würde, die er selbst erschaffen könnte, wenn er Welterfinder wäre: In seiner Welt hätten alle genug zu essen und es würde niemand sterben. Der Großvater denkt mit dem Enkel dessen Einfälle durch. Die Welt wäre schnell überbevölkert und würde überaltern. Würde man die Zeit anhalten, gäbe es kein Wachstum und keine Entwicklung mehr. Der Junge macht sich auch Gedanken, wie der Himmel aussehen könnte. Schließlich wird klar, warum der Junge sich Gedanken über den Tod macht. Die beiden sind auf dem Weg zum Friedhof. Sie besuchen das Grab der Großmutter. Der Junge fragt, ob denn der Opa nicht sauer auf den Welterfinder sei. Religiös gedeutet meint er Gott. Der Großvater antwortet überraschend: „Ich bin ihm dankbar. Weil ich deine Oma kennenlernen und mit ihr so viele schöne Dinge erleben durfte. Und ich bin dankbar, dass ich dich habe.“ Der Enkel, der ja alles anders als der Welterfinder machen wollte, fragt noch mal nach: „Dann hat er es doch gut gemacht, der Welterfinder?“ Und sein Opa antwortet: „Sehr gut sogar.“
Das Buch bietet einen sehr guten Zugang zur Frage nach dem Sinn des Sterbens und warum in einer guten Schöpfung der Tod zum Leben dazu gehört.
In der Kita regt das Buch „In meiner Welt“ beim gemeinsamen Betrachten und Gespräch dazu an, zusammen mit den Kindern über wichtige Fragen nachzudenken: Warum gehört der Tod zum Leben? Warum gibt erst die Endlichkeit des Lebens diesem Leben seine Einmaligkeit? Wie kann man mit Verlust und Tod umgehen?
Das Buch gibt keine festen Antworten vor. Stattdessen lädt es Kinder und Erwachsene ein, ihre eigenen Gedanken einzubringen. So entsteht Lernen im Austausch – Kinder und Fachkräfte entdecken Bedeutungen gemeinsam, indem sie die Anregungen des Buches zum Philosophieren und Theologisieren aufgreifen. Denn auch ohne ausdrücklich religiöse Wörter zu verwenden, spricht es Themen an, die für Kinder wichtig sind, zum Beispiel der Umgang mit dem Tod und der Frage nach der Endlichkeit des Lebens. Kinder können ihre eigenen Vorstellungen und Bilder ausdrücken. Pädagogische Fachkräfte begleiten diese Gespräche, indem sie zuhören, Fragen stellen und die Gedanken der Kinder aufgreifen, ohne sie zu bewerten oder zu lenken.
Im Sinne des weiterentwickelten Orientierungsplans für Bildung und Erziehung in baden-württembergischen Kindertageseinrichtungen (WeOp 2025) eignet sich das Buch bestens, um folgende Ziele und Anregungen umzusetzen:
·       „Durch das Nachdenken über eigene religiöse Vorstellungen und existentielle Fragestellungen kann sich ein eigenes `Theologisieren´ entwickeln.“ (S. 218)
·       „Dabei kann es Kompetenzen erwerben, um theologische, existenzielle und persönliche Deutungsmuster zu entwickeln und zu erweitern.“ (S. 218)
·       „Das gemeinsame Theologisieren mit Kindern orientiert sich an den Interessen der Kinder, fordert sie aber zugleich kognitiv heraus. Dabei ist es zentral, das Kind in seinem eigenen theologischen Nachdenken zu begleiten und es dabei zu unterstützen, in die Tiefe zu gehen.“ (S. 219)
·       „11.1. Wie lasse ich die Kinder erleben, dass ihre Fragen und Antworten wertgeschätzt werden und als Anstöße für andere zum Weiterdenken anregen?“ (S. 223)
·       „12.1. Wie helfe ich Kindern zu entdecken, dass es auf Fragen unterschiedliche – oder auch keine abschließenden – Antworten gibt?“ (S. 224)
·       „12.1. Wie unterstütze ich Kinder beim Ausdruck ihrer Gedanken zu philosophischen und religiösen Fragestellungen?“ (S. 224)
„In meiner Welt“ unterstützt Fachkräfte genau darin, eine offene und fragende Haltung einzunehmen. Kinder werden als ernstzunehmende Suchende gesehen, die im Austausch mit den Fachkräften über die Buchinhalte ihre eigene Sicht auf die Welt entwickeln (Ko-Konstruktion). Das Buch ist damit eine wertvolle Hilfe für die religionssensible Bildung in der Kita und stärkt das Selbstvertrauen sowie die sprachlichen Fähigkeiten der Kinder.
Dipl. Theol., Bacc. Phil. Heike Helmchen-Menke, Referentin für Elementarpädagogik am Institut für Religionspädagogik der Erzdiözese Freiburg.
Nähere Informationen auf der Seite des Verlages Thienemann-Esslinger: In meiner Welt von Sabine Bohlmann | Thienemann-Esslinger Verlag
Wir verweisen auch auf die religionspädagogischen Medienstellen.