Buchtipp Vogel ist tot

Bilderbuchtipp: „Vogel ist tot“ ist für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2024 nominiert
Tiny Fisscher erzählt von einem Vogel, der sich nicht mehr bewegt. Die anderen Vögel stellen sachlich fest: „Der schläft nicht! Auf dem Rücken + Füße in der Luft – tot.“ Für die Gemeinschaft der Vögel ist dieser Todesfall zunächst kaum fassbar: „Was? Gestern hat er doch noch gelebt!“ Aber der Vogel ist tot. Die anderen sind traurig und weinen. Sie weinen zusammen und das tröstet schon ein wenig. Anschließend geht es um Trauerrituale: Die Vögel erzählen sich gegenseitig davon, was sie mit dem jetzt toten Vogel erlebt haben, dabei wird auch deutlich, dass er nicht jedermanns Freund war. Auch das darf sein. Nun geht es um Beerdigungsrituale. Ein Loch wird ausgehoben und der tote Vogel hineingelegt. Einige halten kurze Reden darüber, wie sie den toten Vogel vermissen werden. Und ein Vogel singt ein Abschiedslied. Sie legen eine Feder auf sein Grab und senden ihm gute Wünsche: „Mach´s gut, Vogel.“ Schließlich setzen sich die Vögel zu einem gemeinsamen Essen (Leichenschmaus) zusammen. Es gibt Würmer und Kuchen. Dabei tauschen sie sich über ihre Traurigkeit aus und dass sie den Vogel nicht vergessen wollen: „Stimmt, er ist immer noch in unserem Herzen. Für immer und ewig.“ Die Autorin schreibt in kurzen, einfachen Sätzen. Bei aller Trauer ist der Umgang mit den Riten rund um einen Todesfall aber auch humorvoll in Szene gesetzt. Streit darf sein, und der tote Vogel wird auch in den Trauerreden nicht überhöht – er hatte auch seine Fehler, so hat er etwa einem anderen Vogel immer das Futter weggepickt. Herma Starreveld hat mit den farbenfrohen Vögeln im Collage-Stil eigensinnige Tierdarstellungen geschaffen, die dem schweren Thema Leichtigkeit verleihen. Ab 4 Jahren.
Für Kinder im Kita-Alter bietet das Buch zahlreiche Anknüpfungspunkte, um auf einer neutralen Ebene kennenzulernen, wie mit dem Tod umgegangen werden kann.  Es findet eine Auseinandersetzung mit Trauer- und Beerdigungsritualen statt. Auch wenn das Buch keine Öffnung auf religiöse Hoffnungen über den Tod hinaus bietet, ist es doch geeignet, um Anregungen und Ziele aus dem Bildungs- und Entwicklungsfeld „Sinn, Werte und Religion“ des Orientierungsplans umzusetzen:
* „Kinder kennen und verstehen die christliche Prägung unserer Kultur“ (Ziel)
* „Wie regt der Kindergarten an, über Anfang, Ziel und Ende menschlichen Lebens zu philosophieren bzw. zu theologisieren?“ (B6)
IRP Freiburg, Referat Elementarpädagogik, Heike Helmchen-Menke
Die Jury für den Deutschen Jugendliteraturpreis fasst es zusammen: „Die Komik und Unverblümtheit, mit der sich dieses Bilderbuch dem Thema Tod nähert, sind bestechend und befreiend. Auf niederschwellige Weise entstehen so vielschichte Gesprächsanlässe“. Mehr zur Jury-Begründung finden Sie hier: Buch: Vogel ist tot | Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V.
Mehr Informationen auf der Verlagsseite: Vogel ist tot – Jacoby & Stuart (jacobystuart.de)
Wir verweisen auch auf die Medienstellen der Erzdiözese Freiburg.