n den Aufsätzen wird die Notwendigkeit thematisiert, schwelende Konflikte offenzulegen, sich augenfälligen couragiert zu stellen und beide Arten möglichst gerecht zu lösen.
Wie steht es um das Bewusstsein darüber, dass auch der Religionsunterricht kein konfliktfreier Schonraum ist, in dem die Liebe Gottes und der Geist der Frohen
Botschaft uneingeschränkt walten, in dem alles rund läuft und Harmoniestreben das Gebot – oder vielleicht doch das Diktat – der Stunde ist? Sind Konflikte, wie Ulrich Riegel in seinem Grundlagenartikel zu diesem Themenheft fragt, das hässliche Entlein der Religionspädagogik, weil sie seiner Auffassung nach so selten in religionspädagogischen Fachzeitschriften thematisiert werden? Klafft hier vielleicht eine Lücke zwischen universitärer Elfenbeinturmdiskussion und ganz alltäglicher Schulerfahrung?
Unser Themenheft Konflikte im RU trifft möglicherweise nicht nur einen wunden religionspädagogischen Punkt. Die Zeit ist reif – vielleicht mehr als das – die zwischenmenschliche Dimension des Lehr-Lernprozesses im Lebensraum Schule genauer in den Blick zu nehmen, jenseits der Diskussion um den vermeintlichen Verlust fachlicher Inhalte angesichts der Bildungsplanreform. Es ist Zeit zu fragen, ob wir als Religionslehrerinnen und -lehrer die notwendige Sensibilität mitbringen, Konflikte im Religionsunterricht wahrzunehmen und adäquat auf sie einzugehen; ob und wie wir uns darüber hinaus in Problemfeldern engagieren, die weit mehr als unseren Fachunterricht betreffen.
Deshalb beleuchten die Autoren der vorliegenden Ausgabe in ihren Beiträgen unterschiedliche Konfliktbereiche im konkreten Religionsunterricht und im schulischen Alltag. Sie zeigen die Notwendigkeit auf, schwelende Konflikte offenzulegen und sich augenfälligen couragiert zu stellen. Und sie weisen Möglichkeiten auf, Konflikte zu differenzieren und Strategien zu ihrer Bewältigung zu entwickeln: konkret, unterrichtspraktisch und schulbezogen.
Aus aktuellem Anlass haben wir allen Beiträgen zu diesem Thema das Schreiben von Erzbischof Dr. Robert Zollitsch vorangestellt, mit dem er sich in diesen Tagen an alle Religionslehrerinnen und -lehrer in der Erzdiözese Freiburg gewandt hat. Der Tenor seines Briefes ist eindeutig: Getragen von Bestürzung und tiefem Bedauern über das Ausmaß des sexuellen Missbrauchs auch in kirchlichen Einrichtungen, will er informieren und ermutigend dazu auffordern, dass wir als Religionslehrerinnen und Religionslehrer mit dazu beitragen, eine Kultur des Hinschauens und Hinhörens an unseren Schulen zu schaffen.
Eben dieser vertrauensbildenden Kultur des Hinschauens und Hinhörens wissen sich die Autoren dieser Ausgabe in ihren Artikeln verpflichtet: Ausgehend von einem sozialwissenschaftlichen Zugang in religionspädagogischem Problembewusstsein durch Ulrich Rieder(Universität Siegen), verweist Georg Gnandt (Studienseminar Freiburg) auf fachdidaktische Möglichkeiten, (gut) mit Konflikten im Religionsunterricht leben zu lernen. Joachim Schmidt (KIboR) beleuchtet in einem Auszug aus seiner Studie den positiven Beitrag interreligiösen Lernens zur Verständigung an berufsbildenden Schulen. Michael Veeser-Dombrowski und Thorolf Clemens zeigen konkrete Angebote auf, wie Lehrkräfte Konflikte mit und innerhalb einer Klasse – auch außerschulisch – bearbeiten können. Wolfgang Michalke-Leicht(zur Leistungsmessung) und Ulrich Nonnenmacher (zum sozialen Lernen im BEJ) beleuchten schulartspezifische Problemfelder im Religionsunterricht und Andreas Wronka und Hanspeter Schwenninger dokumentieren Beobachtungen zum Fach innerhalb des Fächerkanons und dem vielfältigen Beitrag des Faches zu Schulentwicklung und Schulkultur. Schulartübergreifend einsetzbar dürfte das Praxisbeispiel von Bernhard Oßwald zum Thema Mobbing sein, das mit einer Filmbesprechung von Thomas Belke ergänzt wird. Schließlich komplettieren Fortbildungshinweise für den Herbst 2010 sowie Besprechungen von interessanten Neuerscheinungen in Literatur und digitalen Medien diese Ausgabe, in deren Mitte Constanze Ott Gedanken zum erzieherischen Bemühen in der Wolfsschule aus dem Freiburger Münster ULF zu Papier gebracht hat.
Die Frühjahrsausgabe 1/2010 ist im IRP-Shop unter der Artikel-Nr. 7106 zu erwerben.